Bürvenicher Felsenkeller

Bei der Fahrt durch das ansehnliche Bürvenich, dessen geschichtsträchtiges Highlight die „Wildenburg“, irgendwann in der spätrömischen Zeit gegründet wurde, fällt auf, dass in den vielen denkmalwerten Höfen, Gebäuden und Umfriedungen überwiegend ein Gestein verbaut ist, das durch sein warmes Ockergelb gekennzeichnet ist.
In Zeiten wo man bei der Auswahl des Baumaterials nur
ausnahmsweise in die Ferne schweifte, wurden die natürlichen Ressourcen der unmittelbaren Umgebung genutzt. Das in den Gebäuden verwendete Baumaterial weist also auf die geologischen Gegebenheiten der Umgebung hin.
Bei der Suche nach der Herkunft dieser Gesteine folgen wir der bis an das Ende der Stephanusstraße, die durch das ganze Dorf zieht, bis ein Wirtschaftsweg in das Bürvenicher Bachtal abzeigt.
Doch zunächst schweift der Blick links des Weges auf ein Ziegelgemäuer, das die Talböschung
begrenzt. Hier ist der Eingang zum Bürvenicher Felsenkeller.
Dieser Felsenkeller ist auf das Jahr 1858 datiert und wurde in den Gesteinen des obersten
Muschelkalks angelegt. Er reicht horizontal tief in den Berg hinein bis unter die Villa „Nagelschmidt“. Diese wurde 1884 von dem Brauereibesitzer Ferdinand Nagelschmidt erbaut. (Heute dient es als Lebenshilfezentrum zur Eingliederung und Förderung geistig behinderter Kinder und Jugendlicher.) Der Keller wurde als Eisbunker angelegt um auch im Sommer edles Bier brauen zu können, das bei niedrigen Temperaturen gären muss. Der Felsenkeller ist in wohlgebankten dolomitischen Kalk- und Sandsteinen des obersten Muschelkalkes angelegt und gilt
als der beste Aufschluss dieser Gesteine im Mechernicher Triasdreieck.

Außerhalb des Kellers stehen diese Gesteine beiderseits des Bachlaufes an. An der steilen Bachböschung, schräg gegenüber dem Eingang zum Felsenkeller werden diese vom “unteren Dolomit” des Keupers überlagert. Die Einstufung in den Keuper erfolgt aufgrund des erstmaligen Auftretens bestimmter leitender Muschelarten, zum Beispiel Myophoria goldfussi. 
Ein kleiner Aufschluss nahe beim Felsenkeller ermöglicht Einblicke in die Ablagerungen des Muschelkalkmeeres der Nordeifel. - Foto: KFS

Im Zuge der tertiären und quartären Gebirgshebung wurden hier zwar die Muschelkalk- und Keupervorkommen größtenteils abgetragen, aber in der Nordeifel überlagern sie noch stellenweise im Mechernicher Triasdreieck den Buntsandstein. Über die Eifeler Nord Süd-Zone läßt sich heute jedoch nur noch der untere Muschelkalk mit dem dolomitischen Muschelsandstein durch spärliche Vorkommen bei Oberbettingen bis in die Trierer Trias Bucht, der nordöstlichen
Fortsetzung des lothringischen Beckens verfolgen. Das Mechernicher Triasdreieck stellt eine Verbindung zum Nordwestdeutschen Becken her, dessen Ablagerungen aus der Trias-Zeit unter der mächtigen Füllung der niederheinischen Bucht verborgen sind.
 
Vor ca. 243 Ma wurde das weitverzweigte Flusssystem des Buntsandsteins in Mitteleuropa durch den Vorstoß der Tethys, das „Urmittelmeer“ geflutet. Im Germanischen Becken herrschten nun marine Verhältnisse vor. Zwischen einer Insel, der Rheinischen Masse, im Osten und dem London-Brabanter Massiv im Westen bildete sich wieder wie schon im Mitteldevon eine Meeresstraße, der „Eifel Kanal“ (in Anlehnung an die heutige Meerenge zwischen England und
Frankreich). Dieser „Eifelkanal“ stellt eine Verbindung zwischen zwei flachen Schelfmeeren her. Beeinflußt durch die nahen Festlandsgebiete ist der Muschelkalk in der Eifel überwiegend sandig ausgebildet. Im Keuper zog sich das Meer vorübergehend wieder zurück und es herrschten wieder ähnliche Bedingungen wie im Buntsandstein vor.
 

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Die Verbreitung des Muschelkalkmeeres im Germnischen Becken nördlich des Tethys-Ozeans. Die Eifel lag in einer schmalen Meeresstraße zwischen zwei Hochgebieten. Die Textur der Landmassen ist aus gestalterischen Gründen willkürlich. 
Basisdaten Ziegler (1982). Grafik: KFS 

Das germanische Becken wurde nun von Flusssystemen und Seen unter einem feuchtwarmen Klima geprägt. Interessanterweise enthalten sowohl die Gesteine des obersten Muschelkalkes als auch die darüber folgenden Gesteine des unteren Keupers Reste von Wirbeltieren. Es handelt sich um Knochen und Zähne von Fischen, Lurchen, Fischsauriern und amphibisch lebenden
Sauriern. Unter den gefundenen Fischresten fallen hohe, scharfe, meist mehrspitzige Raubzähne der Haigattungen Acrodus und Hybodus auf. Die Küstenzonen des Muschelkalkmeeres wurden von Nothosaurusarten bewohnt. Die bis zu sechs Meter langen Reptilien waren mit paddelartigen Beinen ausgestattet und damit hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Wie aus dem Skelettbau erkennbar ist, stammt dieser räuberische Meeressaurier ursprünglich von Landwirbeltieren ab. Funde zusammenhängender Wirbeltierskelette sind in ganz Mitteleuropa eine große Seltenheit. Aasfresser zerlegten die am Meeresgrund oder in den Sümpfen liegenden Tierkörper. Strömungen zerstreuten die verbliebenen Knochen über weite Distanzen. In den
Brandungszonen wurden sie bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Im Bereich der Nordeifel sind bislang nur arg zugerichtete Wirbeltierreste aufgefunden worden, deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Tierart nur in den seltensten Fällen bestimmt werden konnte. Aufgrund der Sedimentausbildung lassen sich jedoch für den hiesigen obersten Muschelkalk und unteren Keuper Bildungsbedingungen annehmen, die mit denen anderer Vorkommen in Deutschland vergleichbar sind.
 
Es ist davon auszugehen, daß die in diesen Sedimenten aufgefundene Wirbeltierfauna auch an den Ufern des Eifeler Muschelkalkmeeres zu Hause war.



Der ockergelbe, 
dolomitische Sandstein 
des Muschelkalkes fand 
an viele
n denkmalwerten
Gebäuden Verwendung
und prägt, entlang der
Dorfstraße, 
das historische Bürvenich.
Foto: KFS





Bericht von: Klaus Frank Simon, Buch
 Georallye Spurensuche (Neuerscheinung)
www.georallye.de

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Ehemaliger Eiskeller der Brauerei Nagelschmidt, innenschriftlich datiert 1858

Gotisierende Backsteinarchitektur als Verkleidung des Stolleneinganges in den Berg, Wandfeldergliederung mit sparsamen neugotischen Fenster und Tor, im westlichen Eingang spitzbogiges Tympanon mit Relief von Brauereiwerkzeugen; im Berg eine etwa 15m hohe Hauptkaverne und zwei Nebenarme, in den Fels gesprengt, sehr grobe Bearbeitung der Wände und Böden.
Bauliche Reste der zugehörigen Mälzerei in Bürvenich, Stephanusstraße 81.

Bericht von Dr. Herzog, ( Buch: 9.5 Stadt Zülpich )

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